Wie Kinder die Musik liebenlernen

Los geht's

Los geht’s

Die Bargteheider Stadtmusikanten blicken auf ein erstes erfolgreiches Jahr zurück, weil das neue Angebot rege genutzt wurde. Das in Stormarn einzigartige Netzwerk hat sich zur Aufgabe gemacht, mit vereinten Kräften, Kinder möglichst früh für Musik zu begeistern. Die Initiative geht auf Hella Lorberg zurück, die ausgebildete Opernsängerin ist und sich seit Jahrzehnten für die Musik in der Stadt engagiert. Sie brachte Dietrich Chappuzeau (Musisches Forum), Natalie Morrison (Musisches Forum, Kinderkonzerte) und Bürgermeister Dr. Henning Görtz (Stadt Bargteheide) zusammen. Gemeinsam
gelang es, weitere tatkräftige Mitstreiter für die musikalische Frühförderung in Bargteheide einzubinden. Die ersten Gespräche liefen im Oktober 2013. Das erste Treffen folgte im Dezember.

 

Bereits am 16. Januar 2014 war die Gründung der Bargteheider Stadtmusikanten, die sich genauso wie Hahn, Katze,
Hund und Esel aus Grimms Märchen vorgenommen haben, die Schlagkraft aus den gemeinsamen
10.8.2015 Bargteheider Stadtmusikanten fördern die musikalische Früherziehung Stärken zu gewinnen. Drei Kindergärten (Lindenstraße, Eckhorst, Am Mühlentor), drei Schulen (Carl-Orff- Schule, Emil-Nolde-Schule, Johannes-Gutenberg-Schule), das Kinderhaus Blauer Elefant und die ev.-luth. Kirchengemeinde sind sofort in das Projekt mit eingestiegen. Die Musikschule Lass und Musikpädagogin Christine Thomsen (Verein Musik und Bildung) haben sich wenig später angeschlossen. Eingebunden ist
das Netzwerk in das staatlich geförderte, bundesweite Programm „Anschwung frühe Chancen“.

Kreativität verbessert sich
„Musik ist das beste Rüstzeug, das wir Kindern für ihre Zukunft bieten können“, betont Hella Lorberg, in
deren Leben Musik seit der Kindheit immer eine große Rolle gespielt hat. Musik spricht alle Sinne des
Menschen an und weckt Emotionen. Daraus ergeben sich viele Vorteile. Regelmäßiges Singen und
Musizieren fördert zum Beispiel die sprachliche Entwicklung von Kindern sehr. Kreativität und
Konzentration verbessern sich meistens ebenfalls. Außerdem lassen sich oft auch positive Auswirkungen
auf das soziale Verhalten innerhalb einer Gruppe feststellen. „Bei Kindern, deren Familien ausländische
Wurzeln haben, kann Musik dazu beitragen, Sprachbarrieren zu überwinden, um so die Integration zu
fördern“, erklärt Hella Lorberg. Beste Erfahrungen haben die Bargteheider Stadtmusikanten unter
anderem mit ihren Kinderkonzerten gemacht, von denen fünf seit der Gründung veranstaltet wurden.
Das Konzept für die Kinderkonzerte stammt von der Musikpädagogin und Pianistin Natalie Morrison, die
auch Mitbegründerin des Musikvereins „À la carte Kammermusik“ ist. Zu einer Reise ins Morgenland
waren die Kinder in Bargteheide zum Beispiel im November eingeladen. Aufgeführt wurde das Werk
„Scheherezade“ von Nikolai Andrejewitsch Rimski-Korsakow (1844-1908). Die jungen Zuhörer erlebten
bei dieser Veranstaltung nicht allein die Musik des russischen Komponisten, sondern auch mehrere
Märchen aus „1001 Nacht“, die vorgelesen wurden. Zudem wurden passend dazu zauberhafte Bilder von
Katarzyna Studzinska-Sabbagh gezeigt. Hella Lorberg: „Musik, Wort und Bild sind bei diesem Konzept
verbunden. Das ist das Tolle daran.“ Rund 50 Jungen und Mädchen besuchen die Kinderkonzerte
(öffentlich) im Schnitt. Bei den Schulveranstaltungen (intern) sind meist etwa 300 Kinder dabei.
Riesigen Zulauf hatte auch das lange gewünschte „Mitmach-Konzert“ am 25. Januar, das der Verein
Musisches Forum und die Carl-Orff-Schule über das Netzwerk Bargteheider Stadtmusikanten organisiert
hatten. „So voll habe ich das Stadthaus noch nie erlebt“, berichtet Hella Lorberg. Mehr als 150 Besucher
waren gekommen – so viele, dass die vorhanden Plätze gar nicht reichten und weitere Sitzgelegenheiten
geschaffen werden mussten. Das Musikprogramm bestritten der Kinderchor der Carl-Orff-Schule und ein
Instrumentalensemble unter Leitung von Kerstin Torrau. Die Grundschüler sangen Volks- und
Kinderlieder wie „Alle Vögel sind schon da“ oder „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad“, und alle
anderen stimmten freudig mit ein. „Da war eine unglaubliche Begeisterung bei allen Beteiligten zu
spüren“, so Hella Lorberg. Ihrer Meinung nach sollte daher gerade dieses Angebot fortgesetzt oder
sogar noch ausgebaut werden. Kinder seien leicht für Musik zu begeistern, wenn man ihnen die
Möglichkeit dazu bietet. Dies sei ein gutes Beispiel dafür. Ganz im Sinne der Aktiven des Netzwerks
Bargteheider Stadtmusikanten ist es in diesem Fall auch, dass Eltern und Kinder bei so einem Sing-
Spektakel gemeinsam Spaß an der Musik haben können.

Vorfreude auf den Musikunterricht
Hella Lorberg weiß aus Erfahrung, dass es wichtig ist, Kinder bereits sehr früh mit Musik vertraut zu
machen. „Dann bleibt das Interesse meist auch im Erwachsenenalter“, sagt sie. Das Interesse sollte
geweckt werden, solange die Jungen und Mädchen noch keine zehn Jahre alt sind. Im Bargteheider
Kinderhaus des Deutschen Kinderschutzbundes haben die Bargteheider Stadtmusikanten mit ihrem
neuen Angebot „Der Blaue Elefant macht Musik“ seit dem Start im September 2014 schon viel bewirkt. Es
handelt sich um musikalische Frühförderung, die vor allem für Kinder aus schwierigen Familien gedacht
ist. Eine kleine Gruppe erhält für ein Jahr lang Unterricht von Fachleuten der Musikschule Lass. Die
Finanzierung ist dank einer Spende des Lions Club Ahrensburg gesichert. Das Projekt soll danach auf
jeden Fall dauerhaft weiterlaufen. Das Konzept ist erfolgreich: Ein Dreijähriger mit autistischen Zügen
war, nachdem er einige Male am Singen, Tanzen, Trommeln und Musizieren teilgenommen hatte, zum
Beispiel wie verwandelt. „Die Vorfreude auf die Musikstunde war bei ihm so groß, dass er plötzlich
angefangen hat zu sprechen. Da ist richtig ein Knoten geplatzt“, erzählt Hella Lorberg. Und weiter: „Das
ist ein guter Beweis dafür, was Musik alles bewirken kann.“ Die Bargteheider Stadtmusikanten möchten
die Förderung von Kindern, die es aufgrund ihrer Lebenssituation schwer haben, aufgrund der Erfolge
noch ausweiten. Dazu gehört auch, dass man künftig einigen Kindern bzw. deren Familien vergünstigte
Konzertkarten anbieten möchte.„Wir machen Musik“ gibt es als Projekt auch an der Carl-Orff-Schule und in der Kita Mühlentor, allerdings
in anderer Form. Lehrerinnen und Erzieherinnen bereiten dort gemeinsame Musikstunden vor, in denen
sich die kleinen und etwas größeren Steppkes beim Singen und Musizieren besser kennenlernen können.
Die Kindergartenkinder und die Grundschüler führen sich dann zunächst wechselseitig etwas vor, um
abschließend ein gemeinsames Lied einzustudieren, zu dem sie oft auch spielen oder malen. „Die
Kindergartenkinder können sich so mit ihrer zukünftigen Schule schon einmal vertraut machen“, so Hella
Lorberg. Vergleichbar sind die „Musikbesuche“ in anderen Einrichtungen: Es treffen sich die ersten
Klassen von Grundschulen mit den ältesten Gruppen der evangelischen Kindergärten. Beim ersten
Termin im Frühjahr 2014 besuchten Kinder aus der Tagesstätte Lindenstraße die Emil-Nolde-Schule. Zur
Musik von Edvard Grieg begaben sich alle auf eine Traumreise in die Welt von Peer Gynt. Bei einer
weiteren Zusammenkunft hörten die Kinder afrikanische Musik und durften dazu auf 20 große Congas
und mehreren kleinen Doppelbongos trommeln. Hella Lorberg: „Das haben sie so eifrig gemacht, dass
sie später gerötete Wangen hatten.“
Nächstes Ziel des Netzwerkes ist es, weitere Schulen und Einrichtungen für die vernetzte musikalische
Frühförderung in Bargteheide zu gewinnen. In der Johannes-Gutenberg-Schule soll möglichst bald
zudem im Rahmen der offenen Ganztagsschule einmal in der Woche Musikunterricht angeboten
werden. Doch hier ist die Finanzierung noch ungeklärt. Und es fehlt auch nicht an weiteren Ideen. Im
Gespräch ist, den Bargteheider Kindern regelmäßig eine Teilnahme am Kindertag („Kids meets Piano“) im
Musikhaus Steinway in Hamburg zu ermöglichen. Es wird auch darüber nachgedacht, ein
„Kinderchorfest“ in Bargteheide zu etablieren. Am diesjährigen Stadtfest (29. bis 31. Mai) möchte sich das Netzwerk auf jeden Fall mit einem Musikprogramm beteiligen. Zudem ist eine Kooperation mit der
Musikhochschule Lübeck angestrebt.

12.02.2015 von www.bargteheide-kulturell.de
Original mit Fotos unter: www.stormarn-kulturell.de/wie-kinder-die-musik-lieben-lernen/37783.html